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Studie: Social-Media-Verbot unter 16

Studie: Social-Media-Verbot unter 16
Die aktuelle Studie vergleicht die Perspektiven von Eltern und Jugendlichen auf ein mögliches Social-Media-Verbot unter 16 Jahren und zeigt, dass Eltern dieses mehrheitlich befürworten (58 %), während Jugendliche es überwiegend ablehnen (nur 19 % Zustimmung). Zudem verdeutlicht die Untersuchung, dass die Social-Media-Nutzung stark altersabhängig ist und pauschale „One-Size-Fits-All“-Lösungen der Lebensrealität verschiedener Altersgruppen oft nicht gerecht werden.

Eltern- und Jugendperspektive im direkten Vergleich: Akzeptanz, bevorzugte Regulierungsmodelle und erwartete Realwelt-Effekte

Was leistet diese Studie?
Die Untersuchung liefert eine datenbasierte Einordnung zur Frage, wie Familien ein mögliches Social-Media-Verbot unter 16 Jahren bewerten – und welche Alternativen (z. B. stufenbasierte Modelle) als praktikabler und fairer gelten. Besonderer Mehrwert ist die Parallelperspektive: Eltern als Gatekeeper und Regelsetzende sowie Kinder/Jugendliche als Nutzende werden vergleichbar abgebildet. Dadurch lassen sich nicht nur Einstellungen, sondern auch Haushaltsrealitäten (Regeln, Umsetzbarkeit, Konfliktlinien) fundiert analysieren.

Gratis Download: Die Ergebnispräsentation mit allen Charts kann auf dieser Seite heruntergeladen werden.

Studiendesign

  • Methode: Online-Befragung im FACT Family Panel (Dezember 2025)
  • Stichprobe: n=513 Eltern, n=362 Kinder/Jugendliche (8–17 Jahre)
  • Auswertung: Bei Mehrfachnennungen werden Prozentwerte – wo ausgewiesen – auf valid base berechnet (nur Befragte, die die jeweilige Liste gesehen bzw. beantwortet haben).
  • Besonderheit: Individuelle Befragung von Eltern und & Kindern/Jugendlichen ermöglicht mehrdimensionale Einschätzung (z. B. für Regeln und Regelpraxis aus Eltern- und Kindersicht).

Zentrale Ergebnisse

1) Nutzung als Kontext: Social Media ist stark altersgetrieben

Die Nutzung steigt mit dem Alter deutlich an – sowohl in Reichweite als auch in Intensität. Für Regulierungsmodelle heißt das: Ein „One-Size-Fits-All“-Ansatz trifft die Lebensrealität von 8- bis 10-Jährigen anders als die von 14- bis 17-Jährigen.

2) Akzeptanz: Eltern und Jugendliche bewerten ein U16-Verbot unterschiedlich – mit relevanter Kompromisszone

  • Eltern (n=513): 58% bewerten ein U16-Verbot positiv, 29% „teils/teils“, 12% negativ.
  • Kinder/Jugendliche (n=362): 19% positiv, 31% „teils/teils“, 43% negativ, 8% „weiß nicht“.

Interpretation: Die klare Differenz zwischen Eltern- und Jugendperspektive ist erwartbar. Für Strategie und Kommunikation entscheidend ist jedoch die Größe der ambivalenten Gruppe: Sie signalisiert Gestaltungsraum für Lösungen jenseits eines reinen „Ja/Nein“-Frames.

3) Präferenz: Stufenmodelle dominieren gegenüber dem Totalverbot

Wenn Familien nach der „besten“ bzw. „fairsten“ Lösung gefragt werden, zeigt sich ein konsistentes Muster:

  • Eltern (n=513):
    • 42% bevorzugen ein Stufenmodell mit eingeschränkten Funktionen unter 16
    • 24% bevorzugen ein komplettes Verbot unter 16
  • Kinder/Jugendliche (n=362):
    • eingeschränkte Funktionen“ ist die häufigste Einzeloption (24%)
    • ebenso relevant: „keine neuen Regeln – Familie entscheidet“ (24%)

Marketing- und Kommunikationsperspektive: Familien favorisieren erkennbar Risikoreduktion durch konkrete Mechaniken (Feature-Design, Schutz-Defaults) statt pauschaler Ausschlusslogik.

4) Haushaltsrealität: Regeln existieren – entscheidend ist die Alltagstauglichkeit

  • Eltern (Basis n=513): 73,5% berichten Regeln im Haushalt (Regel-Basis n=377), 24,2% keine festen Regeln.
    Unter Eltern mit Regeln (valid base n=377) dominieren Zeitlimits, App-Einschränkungen und Monitoring.
  • Kinder/Jugendliche (Basis n=362): 79,8% berichten Regeln (Regel-Basis n=289), 14,6% keine Regeln.
    Unter Kindern mit Regeln (valid base n=289) zeigt sich neben Zeitlimits und App-Restriktionen auch: 22% geben offen an, Regeln nicht immer einzuhalten.

Interpretation: Für die Debatte ist nicht nur relevant, ob Regeln existieren, sondern wo sie in der Praxis an Grenzen stoßen – insbesondere in höheren Altersgruppen.

5) Wirksamkeitsfrage: Heimliche Umgehung wird als wahrscheinlich erwartet (valid base)

Die häufigsten Nachteile beziehen sich auf Umsetzbarkeit/Compliance:

  • 75% der Eltern erwarten Umgehung (valid base: Nachteile benannt, n=424)
  • 65% der Kinder/Jugendlichen rechnen mit heimlicher Weiternutzung (valid base: Nachteile benannt, n=287)

Zusätzliche Einordnung: Risiko der „Disclosure-Barriere“

Aus Präventions- und Familienperspektive ist ein Nebeneffekt relevant: Wenn Nutzung in eine „heimliche“ Zone rutscht, kann das die Hürde erhöhen, bei negativen Erfahrungen (Mobbing, Sexting-Druck, unerwünschte Kontakte, Cybergrooming) Unterstützung bei Vertrauenspersonen zu suchen – weil Betroffene Angst vor Ärger oder Sanktionen haben. Für Schutzkonzepte ist deshalb entscheidend, dass Regeln und Maßnahmen mit niedrigschwelligen Hilfestrukturen gekoppelt werden („Hilfe ohne Erst-Strafe“).

6) Verantwortung: Shared Responsibility – Jugendliche priorisieren Mitentscheidung

  • Eltern verorten Verantwortung häufig als Zusammenspiel von Eltern, Staat und Plattformen.
  • Kinder/Jugendliche priorisieren deutlich „Kinder & Eltern gemeinsam“.

Interpretation: Schutz wird nicht nur inhaltlich, sondern auch über Legitimität bewertet. Mit steigendem Alter gewinnen Aushandlung und Mitbestimmung an Bedeutung.

Einordnung für Praxis und Kommunikation

1) Strategischer Kern: Familien präferieren stufenbasierte Schutzmechaniken gegenüber „On/Off“-Logiken.
2) Umsetzbarkeit ist der Prüfstein: Erwartete Umgehung macht deutlich, dass Regulierung ohne alltagstaugliche Mechanik als lückenhaft wahrgenommen wird.
3) Help-Seeking mitdenken: Schutz muss auch dann greifen, wenn etwas schiefläuft – ohne zusätzliche Barrieren durch Angst vor Sanktionen.
4) Zielgruppenlogik berücksichtigen: Eltern als Gatekeeper und Kinder als Nutzende brauchen unterschiedliche Ansprache – bei einem gemeinsamen Thema.

Download: Ergebnispräsentation

Die vollständige Ergebnispräsentation mit allen Charts und Detailkennzahlen steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wie unterscheiden sich die Meinungen von Eltern und Jugendlichen zu einem Social-Media-Verbot unter 16?
Während 58 % der befragten Eltern ein Verbot positiv bewerten, stimmen dem nur 19 % der Jugendlichen zu; die Mehrheit der Jugendlichen (43 %) lehnt es ab, wobei es eine relevante Kompromisszone („teils/teils“) gibt.

2. Welche Datenbasis liegt der Studie zum Social-Media-Verbot (2025) zugrunde?
Die Studie basiert auf einer Online-Befragung im FACT Family Panel vom Dezember 2025 mit einer Stichprobe von 513 Eltern und 362 Kindern bzw. Jugendlichen im Alter von 8 bis 17 Jahren.

3. Warum gilt ein pauschales Social-Media-Verbot für alle unter 16 als problematisch?
Die Studie zeigt, dass die Nutzung stark altersgetrieben ist („Reichweite und Intensität“); ein Regulierungsmodell muss daher zwischen der Lebensrealität von 8- bis 10-Jährigen und der von 14- bis 17-Jährigen unterscheiden.

4. Was ist der besondere methodische Ansatz dieser Social-Media-Studie?
Der Mehrwert liegt in der „Parallelperspektive“, bei der Eltern (als Regelsetzende) und Kinder (als Nutzende) direkt vergleichbar abgebildet werden, um nicht nur Einstellungen, sondern echte Haushaltsrealitäten und Konfliktlinien zu analysieren.

5. Wie hoch ist die Ablehnung eines Social-Media-Verbots bei Jugendlichen?
Laut der Studie bewerten 43 % der Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren ein striktes U16-Verbot negativ, während weitere 31 % unentschlossen („teils/teils“) sind.

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